Bürgerbesuch aus der Partnerstadt

Vom 19. Bis zum 22. September besuchten 35 Personen aus der Partnerstadt Kamenický Šenov, dem früheren Steinschönau, darunter 10 Schülerinnen und Schüler, Rheinbach

Die Ankunft am Donnerstag verzögerte sich, da der Bus schon 30 Minuten nach der Abfahrt in Děčín unter einer Brücke stecken geblieben war.  Was war geschehen? In Děčín wurden in den letzten Monaten viele Straßen ausgebessert und mit einem neuen Belag versehen. (Wir haben selbst bei unseren Besuchen in Kamenický Šenov oft unter den Umleitungen gelitten.) Obwohl sich dadurch die Durchfahrtshöhen merklich verringert haben, wurden die Hinweisschilder (noch) nicht korrigiert, und der Busfahrer war prompt in die Falle geraten. Nachdem der beschädigte Bus wieder frei war wollte der Busfahrer verständlicherweise kein weiteres Risiko eingehen und setzte die Fahrt „über die Dörfer“ , also über kleinste Straßen der böhmischen und sächsischen Schweiz fort – schöne Landschaft, aber weiterer Zeitverlust. Die Begrüßung in Rheinbach am Abend und die dringend notwendige Stärkung von Gästen und Gastgebern fand daher deutlich später statt, was aber der guten Stimmung am Donnerstagabend und an den weiteren Tagen keinerlei Abbruch tat.

Der Freitag war dem diesjährigen Motto gewidmet: „Unsere Heimat und ihre rheinische Geschichte“. Nach einer (unfreiwilligen) Stadtrundfahrt durch Euskirchen war das Freilichtmuseum in Kommern das erste Ziel. Zwei Führungen durch die Ausstellung „Wir Rheinländer“ sowie eine Führung durch das Gelände gaben wertvolle Einblicke, ließen aber den Teilnehmern noch genügend Zeit, um sich individuell ein paar Teile der Anlage genauer anzusehen.

Foto: František Janak

Nach dem Mittagessen in der Museumsgaststätte Watteler wurden die Jugendlichen mit ihren Trainern und Betreuern nach Oberdrees gefahren, um mit dortigen Schülern ein Tischtennis-Training zu absolvieren.

Die erwachsenen Tschechen und ihre Rheinbacher Begleiter fuhren indessen zum Kloster Steinfeld. Von dieser Abtei aus zogen vor 9 Jahrhunderten Prämonstratensermönche nach Böhmen und gründeten dort 1140 das Kloster Strahov, westlich der damaligen Stadt Prag auf der anderen Seite der Moldau, heute längst in die Stadt einverleibt. Strahov mit seiner sehenswerten Basilika – mit den Reliquien des Ordensgründers Norbert von Xanten – und der berühmten Barockbibliothek war im letzten Jahr eines der Ziele bei unserem Partnerbesuch. Nach zwei sehr informativen Führungen des Ehepaares Kirfel durch Klosterkirche und die weiteren Räume wie auch den Kreuzgang konnten wir ein wundervolles Orgelkonzert auf der bekannten Balthasar König-Orgel genießen, eindrucksvoll dargebracht vom Organisten Michael Pützer.     

Foto: Gerda Saxles-Schmidt

Abendessen und gemütliches Beisammensein aller fand im Sportlerheim der TuRa Oberdrees am Sportplatz statt. Ortsvorsteher Kurt Brozio, mit einer Geldspende für die tschechischen Tischtennis-Jugendlichen, und Ortsausschussvorsitzender Peter Eich begrüßten die Gäste, genossen das tschechische Bier und bewunderten die Sangeskunst und die Textsicherheit der tschechischen Freunde.

Am Samstagvormittag der Höhepunkt für die Jugendlichen: Ein Tischtennisturnier in der Sporthalle der Gesamtschule in Rheinbach. Hervorragend vorbereitet von Achim Konzen und seinen Helfern von der TuRa Oberdrees wurde in gemischten Mannschaften gespielt, und es gab nur Gewinner. Anfänglich etwas abtastend, denn man konnte sich – wenn überhaupt – nur auf Englisch bzw. über die Betreuer verständigen, nahm das Turnier Fahrt auf und gipfelte in einem spannenden und äußerst knappen letzten Match. Alle Beteiligten konnten mit Urkunden und Medaillen, die beiden Ersten mit Pokalen nach Hause gehen, und die tschechischen Kinder hatten ihren deutschen Mitspielern und deren Betreuern zusätzlich noch kleine Gastgeschenke aus Kamenický Šenov mitgebracht.

Foto: Winfried Kern

Die Verantwortlichen beider Seiten betonten ihre Absicht, dass dieses Treffen mit gemeinsamem Training und anschließendem Turnier keine Eintagsfliege bleiben darf, sondern möglichst schon im nächsten Jahr in der Partnerstadt wiederholt werden soll.

Einige Gäste, unter ihnen František Janák, früherer Direktor der Glasfachschule in Kamenický Šenov, und seine Frau Martina besuchten unterdessen das Rheinbacher Glasmuseum, das selbst zwei Objekte Janáks besitzt.

Nach dem Mittagessen im Jugendwohnheim begaben sich Jugendliche und Erwachsene wieder getrennt auf Stadtrundgänge durch Rheinbach. Während die Jugendlichen verständlicherweise mehr Interesse an den Eisdielen hatten, wurden die Erwachsenen von Stadtarchivar (und unserem Mitglied) Dietmar Pertz sachkundig durch Rheinbach geführt. Den Abschluss bildete im Hexenturm ein Blick über die Stadt. Selbst die Freunde, die schon öfter in Rheinbach waren, haben wieder interessante neue Eindrücke gewinnen können,

Bürgermeister Raetz hatte kurzfristig zu einer Begrüßung ins Rathaus eingeladen, zu dem sich wieder die beiden Gruppen gemeinsam einfanden. Wie schon vorher Herr Pertz am Ehrenmal und an den Gedenkstelen für die 1945 erhängten ukrainischen jungen Zwangsarbeiter wies auch Herr Raetz bei einem Blick auf das Mahnmal für die ermordeten Juden im Rathaus auf die dunklen Seiten der jüngeren Geschichte der Stadt Rheinbach hin, die gerade auch im heutigen europäischen Kontext nicht verdrängt und vergessen werden sollte.

Anschließend wohnten die Erwachsenen der Verleihung des Glaskunstpreises bei. Der dritte Preisträger Dimitriy Tsybenko von der Glasfachschule in Kamenický Šenov war mitgekommen und hatte am Vortag auch die hiesige Schule besichtigen können. Derweil schauten die Jugendlichen einem Ligaspiel der Senioren der TuRa Oberdrees zu.

Beim traditionellen Abschussabend im Waldhotel wurde den Verantwortlichen beider Partnerschaftsvereine gedankt, die den diesjährigen Besuch wieder in bewährter Weise organisiert hatten.

Neben dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds als unserem seit Jahren zuverlässigsten und wichtigstem Sponsor, den beiden Partnerschaftsvereinen und der Kreissparkasse Köln hatte auch die Stadt Kamenický Šenov wieder einen namhaften Zuschuss geleistet. Seiner Stadt und auch ihm persönlich sei es wichtig, diese Kontakte zu fördern und damit die Städtepartnerschaft lebendig zu halten, betonte Bürgermeister František Kučera. Angeregte Gespräche unter guten Freunden und alten wie neuen Bekannten wurden geführt und erste Ideen für den Gegenbesuch im kommenden Jahr entwickelt.

Bürgermeister František Kučera (m.) mit Rudolf Focke (l.), stellvertr. Vorsitzender des Partnerschaftsvereins in Kamenický Šenov, und Walter Erlenbach, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins in Rheinbach.
Foto: Ulrike Lohoff-Erlenbach

So fiel der Abschied am Sonntagmorgen etwas wehmütig aus, aber mit der Versicherung aller: „Bis zum nächsten Jahr in Kamenický Šenov!“